Grenzenlos?!

In Zwei Gedichten “Das Samstag Morgen Gefühl” und “Gedankenwirbel” überlegt die Autorin, was die Grenzen sind und wie man diese fühlt.

Grafik von So Jin Park

Das Samstag Morgen Gefühl 

Die Luft riecht leicht.

Sie streift sanft meine Haut, umhüllt mich mit der perfekten Temperatur,

Sie löst die Haut auf, lässt mich mit ihr verschmelzen.

Die Tauben gurren und ganz unbefangen lausche ich dem Klang, ohne zu ahnen, dass man diese Vögel nicht zu mögen hat. Sie verkünden den Morgen. Sie verkünden das Wochenende, welches sich vor mir erstreckt.

Und da ist es, dieses Gefühl. Es stemmt sich mit aller Macht gegen meinen Brustkorb, denn es ist groß, es ist stark, es ist wunderschön. Es ist das Gefühl der unbegrenzten Möglichkeiten. heute kann ich alles erreichen. Oder nichts. Das Wochenende ist lang und mein Herz ist bereit.

Grafik von So Jin Park

Gedankenwirbel 

Grenzen sind Konstrukte. Wir sind so grenzenlos, wie wir es nicht sind. Die, die Grenzen schaffen, können sie auflösen. 

Grenzen – boundaries – to bond – sie binden uns an etwas 

Sind Grenzen negativ? Ohne Grenzen kein Sein. Ich bin, was ich nicht bin. An der Schnittstelle des Einen zum Anderen entsteht erst das selbst. Autopoesis

Was bedeutet wir? Bedeutet grenzenlos gleich Freiheit? Was ist eine Grenze, an welcher Stelle wird die Entscheidung getroffen? Wo ist das Atom ein Teil vom Baum und wo vom Erdreich? Was ist Natur und was ist Kultur? Wann bin ich Erwachsen? Wann ist etwas vorbei? 

Kann etwas vorüber sein, wenn ich noch daran denke? Sind die unverwirklichten Alternativen, die noch immer in meinem Kopf stecken präsent? Sind sie Anhäufungen, ein grenzenloses Meer an Parallelwelten? 

Manche Grenzen setzt man sich selbst. Wenn man sich immer innerhalb bestimmter Grenzen befindet, spürt man sie nicht, dann ist man innerhalb der Grenzen grenzenlos. Verschieben sie sich, werden sie sichtbar. 

Sind wir nicht immer von Grenzen umgeben?

Der Körper, der Geist kann grenzenlos sein 

Kann er das wirklich?

Vielleicht sind nicht die Grenzen Konstrukte, sondern die Grenzenlosigkeit eine Illusion. Und noch eine reale Illusion. Sie ist in meinem Kopf. Sie ist ich. 

Und wer bin ich, eine Unterscheidung zwischen Realität und Illusion zu wagen?


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