Wie klingt es, wenn sich die Raumzeit verbiegt?

Der folgende Text ist das Ergebnis eines ‚grenzenlosen‘ Spiels mit Begriffen, mit Assoziationen, mit bewegten Bildern und stillen Bewegungen.

Foto von Myriam Brigmann

Die Zeit überschlägt sich und gleichzeitig steht sie still. 

Wo steht sie? Steht sie über Kopf oder hat sie einen Grund? 

Wie steht sie? Steht sie rund oder steht sie eckig? 

Und wie klingt diese Stille? Wie klingt es, wenn die Stille bricht? Kann die Stille brechen? Wenn ja, was hat das mit dem Raum zu tun? Geht der Raum dann zu Grunde? Und zu welchem Zeitpunkt bricht die Stille? Kann die Zeit eigentlich in Punkte unterteilt werden? Wenn ja, was hat das mit dem Raum zu tun? 

Die Zeit verrinnt, sie stockt, sie wächst, sie dehnt sich aus und schlägt Purzelbäume in einem Raum, der möglicherweise gar nicht existiert. Sie verdichtet sich und drängt sich auf und auch wenn ich ihr manchmal lieber nicht begegnen möchte, fährt sie taktlos in mich hinein und bringt mich ins Wanken. Das Wanken vergeht entweder wie im Fluge und zurück bleibt eine kurz- oder langweilige Stille, oder es gewinnt an Größe und Intensität und spannt das ganze Raum-Zeit-Kontinuum um mich herum auf die Folter. Aus einem Augenblick wächst ein zweiter, der in einen dritten übergeht. Ein Wanken, zwei Wanken, drei Wanken. Man könnte meinen, der Augenblick hätte aufgrund seiner Beschaffenheit einen Anfang und ein Ende. Auge auf, Bild rein, Auge zu. Umrahmt von einem schwungvollen Wimpernschlag, fertig. Aber nein, ein Augenblick kann endlos wirken. Dann ist eine einen Augenblick lang währende Spanne von Zeit, gefüllt mit einer sochen Intensität, dass alles anhält und nichts vergeht. Vollkommen bewegungslos und gleichzeitig unendlich bewegt. In mir ist ein grenzenloser Raum, in dem die Zeit still steht. Was die Stille wohl gerade treibt? Ob sie wartet oder sich beeilt, weil sie den Punkt ihrer Erscheinung verpasst hat, beschäftigt mit ihrer Existenz im räumlich-weltlichen Klanggeschehen? 

Nichts ist und alles kann. 

Alles ist und nichts kann.

Über das Werk

Die Autorin studiert Rhythmik / Musik und Bewegung im vierten und somit letzten Jahr.

Zeit und Raum spielen neben den Parametern  Kraft und Form in der Rhythmik eine wesentliche Rolle, sowohl in der künstlerischen Gestaltung, als auch in der pädagogischen Praxis.

Auch in der aktuellen Situation, der unfreiwilligen, aber vielleicht sehr bereichernden Isolation und dem Unwissen, wie es weitergeht, sind das Zeitempfinden und die Gestaltung von Zeiträumen Themen, mit denen wir uns alle beschäftigen.



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