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9 Gründe, warum ein Jahr Hochschulpolitik dir mehr beibringt als jedes Praktikum

In der Regel sind erfolgreiche hochschulpolitische Projekte keine Egofeldzüge.

Du bist mittendrin. Du arbeitest im interdisziplinären Team & trotzdem auf dich alleine gestellt.

Ob Hochschulpolitik Spaß macht, ist dabei oft eine Frage der Frustrationstoleranz.

In meiner Bewerbung für den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) habe ich mit ein paar Monaten HR-Erfahrung und einem ausgeprägten Organisationstalent für mich geworben. So weit, so gut, so ins Amt gewählt.

Nach zwei Jahren im AStA der UdK Berlin bin ich nicht bloß vom Wert der hochschulpolitischen Arbeit, sondern darüber hinaus auch vom persönlichen Lerneffekt ehrenamtlichen Engagements überzeugt.

Meine wertvollsten Erfahrungen habe ich in 9 Punkten zusammengefasst.

1. Es ist deine Uni & du kannst sie mitgestalten.

Demo des #exitrasicmUdK in der Hardenbergstraße 33,
Photo: Zsófia Puszt,
Bildredaktion

Über die UdK Berlin kann man so einiges sagen und denken. In hochschulpolitischen Gruppen diskutieren wir über elitäre Strukturen, Klassismus, Rassismus und intersektionale Diskriminierungserfahrungen, die von Studierenden berichtet werden. Beinahe alle gesellschaftlichen Diskurse, von Digitalisierung bis Nachhaltigkeit, finden auch innerhalb der universitären Gremien statt. Daran teilzuhaben stärkt nicht nur dein Bewusstsein für dein Umfeld, sondern gibt dir die Möglichkeit, aktiv davon zu lernen, verschiedene Sichtweisen zu erkunden und deine eigene Position zu finden.

2. Du lernst, Kompromisse zu finden

Nicht alle Gruppen und Personen teilen deine Interessen.
Selbst wenn sie es tun, heißt es nicht automatisch, dass ihr dieselben Schwerpunkte darin seht. In diversen Gruppen sind Kompromisse meist die größte Herausforderung, da jede Partei mit einer eigenen Agenda in den Diskurs einsteigt. Im gemeinsamen Herstellen von Harmonie wirst du deine eigenen Grenzen kennenlernen und manche davon hinter dir lassen müssen, um einen produktiven Weg zu finden.

3. Du vertrittst diverse Interessen

Oft bedeutet politische Arbeit, deinen eigenen Standpunkt in den Hintergrund zu rücken und dich für andere stark zu machen.
Du lernst nicht nur neue Sichtweisen kennen, sondern musst diese verstehen, um über deinen eigenen Horizont hinaus zu argumentieren. Es geht nicht immer nur um dich. Es geht darum, herauszufinden, welche Fragen Priorität erfordern, um die Uni für alle zu einem angenehmen und fördernden Umfeld zu machen.

4. Du musst Ideen klar formulieren und nachvollziehbar vertreten

Deine Position besteht aus deiner Meinung, nicht bloß deinen Aufgaben. Ein guter Pitch kann den Unterschied zwischen einem Erfolg und einem ewig aufgeschobenen Ziel bedeuten. Je aufwändiger dein Vorhaben, desto wichtiger ist es, dass man dir beim Sprechen folgen kann. Du wirst mit Gesprächspartner*innen konfrontiert, die deutlich erfahrener sind als du. Das bedeutet, dass du dich auf manche Gespräche hervorragend vorbereiten musst.
Und das zu Recht. Du repräsentierst die Studierendenschaft, deine Fachschaft oder deine Interessengruppe. Das bedeutet, dass du deine Behauptungen und Forderungen mit tatsächlich bestehenden Bedürfnissen und Handlungsräumen abgleichen solltest.

5. Du bist Teil eines extrem engagierten Teams

AStA Online Sitzung

In der Regel sind erfolgreiche hochschulpolitische Projekte keine Egofeldzüge.
Es macht einen großen Unterschied, dass in Ehrenämtern nicht primär für Geld, sondern für Ideen gearbeitet wird. Die meisten Initiativen (z.B. I.D.A., Klasse Klima, UdK4Future und viele mehr) entstehen aus intrinsischer Motivation. Du bist Teil einer Interessengruppe und kannst dich von den Beweggründen deiner Mitstreiter*innen anstecken lassen. Oder deine Kommiliton*innen mit deinen eigenen Entwürfen vom Hocker werfen.

6. Du arbeitest mit den Entscheidenden zusammen

Der Weg von Augenrollen über Missstände hin zu konstruktiven Gesprächen mit entscheidendem Ausgang ist viel kürzer, als man annehmen würde.
Z.B. bietet der Präsident der UdK Berlin eine Sprechstunde für Studierende an. Auch das Studierendenwerk und der Berliner Senat führen Diskurse mit gewählten Vertreter*innen der Studierendenschaften.
Dich mit den Verbesserungsmöglichkeiten real zu beschäftigen und auf Augenhöhe mit den Organisierenden daran zu arbeiten, lässt dich nicht nur Projektarbeit begreifen, sondern auch Veränderungsprozesse skizzieren und umsetzen lernen.

7. Du bist wirklich eigenständig

Deine einzige Orientierung ist die Gruppe, mit der du zusammenarbeitest – sofern es diese überhaupt schon gibt.
Wenn du eigene Interessen mitbringst und diese lautstark vertrittst, kannst du jeden Diskurs eröffnen und eine eigene Strömung in Gang setzen.
Was du aus deinem Engagement machst, liegt in deiner Hand. Gibst du nach dem ersten Run gegen die Wand auf, oder wirst du dadurch erst richtig kreativ?

8. Deine Ausdauer erreicht ihr nächstes Level

Nachhaltige Veränderungen in Gang zu setzen braucht Zeit und langen Atem. Insbesondere Themen wie Antidiskriminierung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung werfen neben Interessenskonflikten auch zahllose Organsations- und Ressourcenfragen auf.
Diese lassen sich nicht in Tagen oder Wochen lösen, sondern erfordern kontinuierliche Teilnahme an Entscheidungsprozessen.
Je aktiver und weitreichender du dich einbringst, umso tiefgreifender wirken die erkämpften Projekte.
So wurde z.B. nur zwei Jahre nach Gründung von UdK4Future und der Klasse Klima der Klimanotstand im Akademischen Senat ausgerufen.

9. Die von dir mitbewirkten Veränderungen haben Tragweite


Während meiner Amtszeiten im AStA wurden die Kosten des Semestertickets verhandelt, die Möglichkeiten für ein Antidiskriminierungsbüro und eine Studentische Vizepräsidentschaft diskutiert, der Klimanotstand beschlossen und zahllose andere Projekte bearbeitet.
Alle diese Veränderungen haben gemeinsam, dass sie von Studierenden auf den Tisch gebracht und mitgestaltet wurden. Die UdK Berlin wird sich immer durch ihre Studierenden, durch die Stadt und ihre Eigenheiten entwickeln. Bei hochschulpoltischem Engagement geht es darum, diesem Kreislauf beizutreten und ihm ein kleines Stückchen Schwung aus der eigenen Richtung zu geben.
Es geht darum, die Uni durch deine eigene Perspektive zu prägen.

Du willst jetzt auch anfangen?

Der AStA ist als bezahltes Ehrenamt mit 40 monatlichen Arbeitsstunden natürlich das Brett unter den Engagement-Möglichkeiten.

Wenn du lieber im Hintergrund Entscheidungen treffen willst, kannst du dich für das Studierendenparlament aufstellen lassen.

Die ganz entspannte Exekutive sind die Fachschaftsräte, in denen Partys organisiert und studienganginterne Belange geklärt werden.

Wenn du genau weißt, was du willst, findest du deine passende Initiative oder gründest gleich eine eigene (so ist z.B. UdK4Future entstanden).

Alle Gruppen aktiver Studierender sind zu jeder Zeit offen für jede Form von Teilhabe, egal ob unregelmäßig oder hyperengagiert 😉

That’s a fact. Davon leben sie. Also schreib einfach eine Mail oder DM 🙂

Noch fragen? Meld dich einfach beim AStA buero@asta-udk-berlin.de